26.08.2009
(www.speed-magazin.de) Beim Formel 1 Grand Prix von Europa tummelten sich nicht nur Michael Schumacher, Sebastian Vettel und Co., sondern auch Peter Windsor, einer der beiden Verantwortlichen für das amerikanische US F1 Team. Windsor und Ken Anderson haben jüngst das Medien Aufsehen erregt, da sie Chad Hurley von YouTube als Hauptsponsor für das US F1 Team gewinnen konnten. Unsere junge Motorsport Fotojournalistin Jackie Weiss hatte Gelegenheit kurz vor der Grünen Ampel am Circuito de Valencia mit ihm zu sprechen. Und Peter Windsor gab als Sportdirektor von US F1 Auskunft über die neuen Fahrer und über YouTube als Sponsor. Ausserdem kritisierte er, dass die Amerikaner es versäumt haben den Nachwuchs im Motorsport zu fördern.
(Speed-Magazin.de/exclusiv) Das Interview mit Peter Windsor, Sportdirektor des amerikanischen US F1 Teams, führte die Motorsport Journalistin Jackie Weiss am Circuito de Valencia beim 11.Formel 1 Grand Prix von Europa.Click for the original Interview in english here. Zur Zeit ist das erste amerikanische Formel 1 Team seit über 40 Jahren in den Schlagzeilen, weil sich vor kurzem Chad Hurley, einer der YouTube Gründer, als Hauptsponsor gewinnen liess. Peter Windsor hat neben seinem neuen Job aber noch eine andere Aufgabe, nämlich als Sport Moderator für den weltweit grössten Sport Fernsehkanal "Speed-TV". Jackie Weiss interessierte sich branchenintern dafür, wie er die beiden Jobs zusammen meistern wird....
Jackie Weiss, Speed-Magazin.de: Ich will mal gleich auf die Fahrer für Ihr USF1 Formel 1 Team kommen. Sie machen das Grand Prix Shoot-Out, und fördern die jungen Fahrer auf dem Weg nach ganz oben. Und es geht das Gerücht um, dass Sie das auch für die anderen Crew Members wie Mechaniker und Ingenieure tun wollen...
Peter Windsor für den US Amerikanischen Sport Channel ´Speed´ im Interview mit dem F1 WM Führenden Jenson Button
Peter Windsor, US F1 Team Sportdirektor (denkt ein bisschen nach): Wissen Sie, das ist eine gute Idee...Aber: Nein, wir haben nicht vor, das Gleiche mit den Mechanikern und Ingenieuren zu tun. Die meisten unserer Mechaniker und Ingenieure für unser Rennteam werden zwar neu zur Formel 1 sein, aber es werden alles Amerikaner sein, mit entsprechenden Erfahrungen aus den United States. Wir glauben nämlich daran, dass es eine Menge gute Leute da gibt. Viele von denen stehen in den Startlöchern, um in die Formel 1 zu kommen, und da einen guten Job zu tun. Jeder in unserem US F1 Team wird Amerikaner sein, das gilt auch für die Ingenieure. Was die Fahrer betrifft muss ich sagen, dass ich persönlich immer schon versucht habe jungen Fahrern zu helfen, und junge talentierte Fahrer zu finden. Und das tue ich schon in einem sehr frühen Alter, wie bei Nigel Mansell.
Ich habe Nigel entdeckt, als er noch in der Formel 3 war. Und dann habe ich ihn bis hinauf in die Formel 1 begleitet. Ich glaube, dass ich das auch mit anderen Fahrern tun kann. Da wir aber ein amerikanisches Team sind, ist es nur logisch, dass wir erstmal nach jungen amerikanischen Fahrern suchen. Aber wenn ich Fahrern anderer Nationalitäten helfen kann, auch wenn es nicht unbedingt in unserem Team ist, aber durch Hilfestellung möglicherweise in punkto Sponsorship oder was auch immer, dann tue ich das natürlich gerne. Ganz sicher kann ich da auch was für die talentierten jungen Fahrer aus Europa tun, die in der ersten Runde des Shoot-Outs kamen. Ich helfe da gerne, noch bin ich nicht sicher wie, aber ich hoffe doch ich kann helfen, in irgendeiner Form.
Jackie Weiss: Mich interessiert noch die allgemeine Reaktion über das US F1 Team. Ich kann mir vorstellen, dass Sie einen Haufen Fan Emails von ganz Amerika bekommen haben. Waren die alle positiv, oder gab es da auch Kritiker, und Leute, die Zweifel aussprachen? Windsor: Tja, da sind natürlich einige Leute mit Zweifel. Meistens geht es darum, ob das Team überhaupt zustande kommt - was eine berechtigte Frage ist. Aber um es gleich vorweg zu sagen, die Antwort hier lautet eindeutig: Ja. Deshalb ist es müssig in der Richtung weiterhin Zweifel zu hegen. Ansonsten wird noch gezweifelt daran, ob es überhaupt möglich sein wird, dass ein amerikanischer Fahrer in der Formel 1 gewinnen kann, ob wir konkurrenzfähige Fahrer aus den United States bringen können. Die Antwort darauf ist, dass es nicht einfach sein wird, denn es ist auch eine Frage der Finanzen. Wir haben eine Menge europäische Fahrer, die mit vollem Budget zu den Formel 1 Teams wie unseres kommen, aber da gibt es keinen einzigen Amerikaner, der auch nur über irgendein Budget verfügt.
Da wir aber ein amerikanisches Team sind, ist es nur logisch, dass wir erstmal nach jungen amerikanischen Fahrern suchen
Amerika hat keinen guten Job getan, um für den Nachwuchs zu sorgen. Und es gibt nicht viele junge Amerikaner, die in die Formel 1 wollen, im Gegenteil - die wollen alle in die NasCar. Denn es ist äusserst schwierig soviel Geld aufzutreiben. Ich denke der Grund dafür liegt in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren, wo die IndyCar Teams -das ist die Nummer 1 in Amerika für Single Seater Meisterschaften- sich nicht um den Nachwuchs gekümmert haben. Die haben es sich einfach gemacht, und die Fahrer von Übersee genommen, die das Geld für die Teams mitbrachten, meistens mit unaussprechlichen Namen. Für mich ist es im Grunde unglaublich, dass eine amerikanische Meisterschaft wie die IndyCar Serie sich nicht loyal gegenüber dem eigenen Land zeigt, indem sie zum Beispiel vorschreiben, dass in jedem Team zumindest einer der Fahrer ein Amerikaner sein muss. Denn sicher ist, dass man hier nur nach oben kommt, wenn man amerikanische Stars aus ihnen macht.
Das ist es, warum Nascar so gut läuft. Die haben grossartige amerikanische Fahrer, und das sind alles grosse Stars. Das fehlt bei IndyCar, nämlich die amerikanischen Stars. Und deshalb kommen wir in die Formel 1. Und ich sehe es jetzt als unsere Aufgabe zu versuchen die letzten fünfzehn Jahre Versäumnis in punkto amerikanische Nachwuchsfahrer aufzuholen. Aus diesem Grund ist es auch unwahrscheinlich, dass wir schon im ersten Jahr einen amerikanischen Fahrer haben werden, obwohl wir immer noch hoffen, dass wir es können. Aber ganz sicher werden wir im zweiten Jahr soweit sein, dass wir einen Amerikaner ins Cockpit holen können.
Jackie Weiss bei der Formel 1 als Fotografin und Journalistin für das Speed-Magazin.de
Jackie Weiss: Sie sind hier am Stadtkurs von Valencia, um für "Speed" über den Formel 1 Grand Prix von Europa für Amerika zu berichten. Werden Sie diesen Job auch weiterhin ausüben, während Sie sich um das US F1 Team kümmern? Ich denke, das kann schwierig werden.... Windsor (lacht verschmitzt):Also, wenn ich meinen Job gut mache.... Ich hoffe ja, ich habe dann einige sehr gute Leute, die alles tun, so dass es mir möglich ist mich im Hintergrund zu halten und ein bisschen für "Speed" zu arbeiten. So würde ich es gerne haben. Aber ich weiss es jetzt noch nicht wirklich, wir werden sehen. Die Arbeit mit "Speed" gefällt mir sehr gut. Es ist ein grossartiger Fernsehkanal, genau genommen der grösste Motorsport Fernsehsender weltweit. Fast 9000 Quadratmeter voll mit HighTech, nur für Motorsport. Es ist ein brilliantes Firmengelände, eine brilliante Company. wenn ich gefragt werde ob ich für sie weiter zur Verfügung stehe, werde ich sicherlich alles was ich kann dafür tun.